Gute Dinge sind Dinge, die lange bei einem bleiben, die man hegt und
liebt. Die guten Dinge gehen nicht kaputt und halten allen Moden stand,
meistens haben sie eine Geschichte, manchmal haben sie schon mehrere
Generationen überdauert. Sie werden mehr oder weniger getragen, aber
sie werden NIE weggegeben, sondern höchtens vererbt (oder mit ins Grab
genommen).
Wie meine Cowboystiefel, die mich seit fast 15 Jahren begleiten. Sie stammen
aus einem lichtlosen kleinen Bretterbüdchen in Los Angeles, ein winziger
Laden, der nur gebrauchte Cowboystiefel verkaufte. Ich weiss nicht, was
für eine Geschichte meine Stiefel schon mitbrachten und wer sie vor mir
getragen hat – auf jeden Fall jemand mit genau meiner Fussform, denn sie
tragen sich wie Hausschuhe. Cowboystiefel werden oft missinterpretiert, einer
gewissen Bevölkerungsschicht zugeordnet, als ‚in‘ oder ‚out‘ eingestuft, sie
sind mal häufiger im öffentichen Strassenbild zu sehen und mal sind sie
fast gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Cowboystiefel symbolisieren
etwas – ‚Freiheit, Weite, Pferd, Rinder, Lagerfeuer‘ oder auch ‚ländliche
Disco, Dauerwelle, seitlich geschnürte Lederhose‘, aber wenn man wirklich
hinschaut, dann steht da ein handwerklich wunderschönes Paar Stiefel mit
Lederintarsien und Stickerei, dass sehr praktisch, bequem, haltbar und
schützend ist, Schuhe für die Arbeit eben – in welchen Kontext man diese
stellt und was man in sie hineininterpretiert, dass ist jedem selbst überlassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Julia Richter

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