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Es war nicht wirklich ein Schock, als Sonia Rykiel vor ein paar Wochen starb. Sie war lange krank gewesen und war alt. Niemand lebt ewig. Aber es gibt Menschen, die unser Leben mehr als andere beeinflussen. Das können Schauspieler, Schriftsteller und Aktivisten sein – oder manchmal eben Mode-Designer. Menschen, die uns dazu bringen mehr zu wollen, vielleicht ein besserer Mensch zu werden, uns mehr anzustrengen, eben weil wir ein bisschen so wunderbar wie sie sein wollen. Während wir unseren Vorbildern nacheifern, finden wir aber manchmal etwas ganz anderes, nicht weniger Wunderbares. Wir finden uns selbst. Sonia Rykiel war für mich ein echtes Vorbild. Sie war die Art von ‚cool‘, die ich immer an Frauen mochte. Zaundünn, schmale Lippen, kantige Gesichtszüge, gebogene Nase, tiefliegende Augen und flammend rotes Haar. Sie passte nicht in irgendein gängiges Schönheitsideal, aber sah auf ihre ganz eigene, markante Art toll aus. Sicherlich war sie auch nicht das Urbild der sinnlichen Frau und dennoch kreierte sie eine Mode-Linie, die das Wort ’sinnlich‘ neu definierte. Sie entwarf Kleidung für eine Frau die sich wohl in ihrem Körper und mit ihrer Sexualität fühlt, die frech und leicht exzentrisch ist und einen guten Sinn für Humor hat. Eine die sich mit Frauen und mit Männern wohl fühlt und Mode nicht zu Ernst nimmt. Ich weiss nicht, ob Sonia Rykiel selbst diese Frau war, aber sie gab uns die Mögichkeit diese Frau zu werden, indem sie ihr Image schuf. Danke dafür, Madame Rykiel – und ich hoffe sie sitzen gut auf ihrer gestreiften Wolke.

Illustration von Julia Richter

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sonia_rykiel-247-1©JuliaRichter

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