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Vor ein paar Tagen blätterte ich mich durch die ELLE und blieb gleich am Eingang hängen. An der Kolumne der Chefredakteurin, die das hohe Lied auf Paris und seine Frauen sang. ‚Wie kann man Paris nicht lieben und die Pariserinnen, die mit Abstand elegantesten und chicsten….‘ so in etwa ging es bis zur Unterschrift weiter. Ich hebe meine Hand, denn ich stimme nicht zu. Ich mochte Paris am Anfang nicht mal besonders. Viele denken jetzt sicher, ich bin eine von diesen ignoranten, unflexiblen Miesmachern, die dort einmal eine schlechte Erfahrung gemacht haben, weil Ihr Französisch so schlecht ist (und es ist schlecht) und dann trotzig an ihrer unpopulären Meinung zur Stadt der Liebe festhalten. Falsch. Darum geht es gar nicht. Und ich fange jetzt auch nicht an über ungepflegte Hotelzimmer in Streichholzschachtel-Größe zu reden. Oder über völlig überteuerte Gerichte in traditionellen Pariser (Touristen-)Lokalen. Auch erwähne ich nicht die arroganten Kellner, die meinen armseligen Versuch auf Französich zu bestellen partout nicht würdigen wollen. Das habe ich nach so vielen Paris-Besuchen alles akzeptiert. Irgendwie ist das auch charmant. Ein bisschen Zeit habe ich gebraucht, bis ich es auch mochte. Aber jetzt tue ich es. Sehr sogar. Ich mag das Essen, die Flohmärkte und sogar die Attitüde. Ich liebe die alten Gebäude, die kleinen Cafés und Bäckereien, die wunderschönen Gärten, die tollen Museen. Aber bis zum heutigen Tage verstehe ich nicht diese vorbehaltlose Anbetung der französischen Frau. Ich denke auch, es gibt sie, die typische Pariserin. Sie sieht beneidenswert gut aus. Markante Gesichtszüge, tolle Haut, wenig Schminke, wunderschönes dunkles Haar, mühelos frisiert. Das ist mein Bild von ihr. Aber wenn es um Mode geht, sieht die Sache anders aus. Ich mag klassischen Style, gute Qualität und Tradition. Konservativ hingegen mag ich nicht. Und auf Nummer sicher gehen auch nicht. Das sehe ich in Paris aber überall. Wenn dort etwas im Trend ist, dann ist es überall, in jedem halbwegs anständigen Mode-Schaufenster und an jeder halbwegs modebewussten Person. Mein Lebtag habe ich noch nicht so viele dunkelblaue Cabanjacken auf einem Haufen gesehen wie letztens in Paris. Welch ein Glück, dass ich Dodo dabeihatte in ihrem kükengelben Fluff-Pullover mit knalligem Lippenstift und weisser Hose. Sie ist für mich die verbesserte Version der Pariserin. Klassisch, weiblich, aber mit ein bisschen mehr Witz, ein bisschen waghalsiger, ein wenig mehr London als die normale Französin. Vielleicht bin ich letztendlich einfach auch mehr ein London girl. Mit einem Eclair in jeder Hand.

Dodo trägt einen vintage Pullover, einen vintage Strenesse Mantel, eine Hose von Jesse Kamm, Schuhe von An hour and a shower, eine selber genähte Tasche und eine Sonnenbrille von Surface to Air.

ALLE FRÜHEREN BEITRÄGE ZU DODO…

dorothee_loermann249-1dorothee_loermann249-2dorothee_loermann249-3©JuliaRichter

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