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‚Such Dir was aus, dass eine Geschichte hat‘, das sagte Alex vom Blog ‚Story of my Shirt‘ zu mir als wir gerade beschlossen hatten, wir müssten dringend ein Projekt zusammen machen. Ich sollte mir ein Teil aus meinem Kleiderschrank aussuchen, dass eine besondere Bedeutung für mich hat. Gar nicht einfach. Fast alle meine Kleider haben eine eigene Geschichte. Viele habe ich auf Reisen gekauft, in kleinen Second Hand Läden oder auf Flohmärkten. Manche sind von ganz besonderen Orten oder wurden zu ganz besonderen Anlässen getragen. Es gibt allerdings eine kleine Gruppe, die tatsächlich noch etwas spezieller ist. Die Kleidungsstücke, die ich geerbt habe. Die schon eine Geschichte mitbringen. So wie die karierte Wollhose meines Vaters aus den 70ern.
Mein Vater hat meine Größe und offensichtlich hatte er damals auch eine ähnliche Figur wie ich (manchmal frage ich mich allerdings doch, wie er jemals in diese Hose gepasst hat – aber damals mochte man es offensichtlich eng und knackig). Warum ich mir nun genau diese Hose ausgesucht habe? Es gibt drei Gründe: Der erste ist, weil sie einfach meinem Vater gehört hat. Familiensache. Es gibt Fotos aus der Zeit, auf denen mein Vater den ganzen Anzug trägt und so wahnsinnig toll nach 70er Jahre Jack Nicholson aussieht, mit buschige Kotletten und Schnauzer, dass ich einfach total sentimental werde. Zweitens finde ich prinzipiell Männerklamotten gut. Trag ich einfach gerne. So cool. Und drittens – die 70er sind mein Jahrzehnt, da kann ich nichts machen. Vielleicht weil ich so einen seventies Körperbau habe: kein Busen, keine Hüften, glatte Haare, schlechte Haltung. Ich bin aber auch fasziniert von der kindhaften Unschuld, die dieses Jahrzehnt verströmt. Der Aura eines Paul McCartneys, der im Frottee Bademantel und Gummistiefeln mit riesigem Rauschebart auf seiner Farm in Schottland auf dem Zaun sitzt. Das ist der Hippie Spirit, der mich ganz weich macht. Ich weiss, die 70er waren alles andere als weich und unschuldig – Vietnamkrieg, atomare Bedrohung, Watergate, RAF, das ist mir alles bewusst, aber es ist auch genau dieser Gegensatz, der die Anziehung verstärkt. Peace and love im Angesicht von Bedrohung und Angst. Ein bisschen wie heute eigentlich: Krisen überall, Menschen auf der Flucht, Terror-Anschläge. Und trotzdem auch Mitmenschlichkeit, Hilfe und Verständnis. Ich habe tatsächlich die blauäugige Vorstellung, dass man Krieg und Terror trotz allem nur mit Liebe, Menschlichkeit und Verständigung begegnen kann. Das mögen viele für naiv halten, aber das ist meine Überzeugung. Im Herzen Hippie.

Das ganze Hosen-Interview mit Alex könnt Ihr auf ihrem tollen Blog ‚Story of my Shirt‘ lesen.

Ich trage (abgesehen von der Hose meines Vaters) einen mindestens 15 Jahre alten Pullover von Club Monaco und vintage Costume National Stiefel.

Großen Dank an meine Liebe, Frank, dass er mich bei uns zu Hause so toll in Szene gesetzt hat.

julia_richter-253.1©Frank Bauer

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