©Frank Bauer
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Ich war 14 als ich mir das erste Mal die Haare färbte. Bleichte, um ganz genau zu sein. Meine ganze Kindheit hindurch hatte ich wunderschönes, hellblondes Haar, das sich jedoch während der Pubertät schleichend in genau dieses Mausgrau verwandelte, das keiner schön findet. Ich trug einen Kurzhaarschnitt und verhinderte damit auch ein natürliches Hellerwerden im Sommer, das Haar wurde geschnitten bevor es auch nur die Chance hatte sich in ein cooles Surfer Blond zu verwandeln. Also griff ich das erste Mal zur Chemie. Und kam nie wieder los davon. Die Aufregung des ‚Wie wird es diesmal aussehen?‘, das Risiko des totalen Desasters, die Herausforderung trotzdem irgendwie damit weiter zu leben. 45 Minuten stinkende Paste in meinen Haaren wurde zu meinem 2-monatlichen High. Über die Jahre hinweg wurde ich wagemutiger, versuchte mein Glück immer und immer wieder auf der Suche nach dem perfekten Platinblond, habe es niemals gefunden, dafür alle erdenklichen Nuancen eines orange-gelbstichigen Blondtons. Ich lernte damit zu leben (auch weil ich kein Geld für eine professionelle Haarbehandlung hatte), bis ich mich entschied eine Rotbuche zu werden, das blonde Hauptquartier zu verlassen und mich in dunklere Gefilde zu begeben. Die Resultate waren verlässlicher, ich fühlte mich markanter, das männliche Feedback war verhaltener. (Lustig, mit dem schlechtesten, harngelben Blond bekam ich noch mehr Komplimente als mit dem wunderschönsten dunkleren Haarton. Aber das ist ein anderes Thema, das wir an andere Stelle behandeln werden.)
Jetzt bin ich wieder blond. Mit einer weissen Strähne in der vorderen Mitte, die ich mir vor ein paar Jahren hineinfärbte, als mich natürliche Haarfarben zu langweilen anfingen und ich meine ersten Ansammlung von grauen Haaren an dieser Stelle bemerkte. ‚Ich werde nicht nur akzeptieren, ich werde es umarmen und hervorheben!‘ war wahrscheinlich meine Motivation, vielleicht brauchte ich auch einen Anlass für Veränderung, möglicherweise war ich war es auch leid, dass mich Leute nicht wiedererkannten. Was auch immer mich dazu trieb – ein bisschen Cruella de Vil hat noch nie geschadet, also griff ich mir den billigsten ++++ extra stark Aufheller aus dem Drogeriemarkt und spürte diesen speziellen Kick wieder in dem Moment als das Zeug auf meinen Haaren landete. Ich habe es nicht bereut. Es ist immer noch nicht Platinblond, es macht meine Haare richtig kaputt und es fühlt sich super an, jedesmal wenn ich es nehme. ‚Ein bisschen armselig‘ werden einige jetzt denken ‚kannst Du Dein Selbstbewusstsein nur so aufpolieren?‘ Überhaupt nicht armselig, erwidere ich, es ist wagemutig, rebellisch, unangepasst! Was mit einer Strähne im Haar beginnt, hilft der Welt vielleicht endlich zu verstehen, wer Du sein möchtest! Besonders wenn Du 14 bist und ein beneidenswert perfektes Kupfer Ombré ganz alleine hinbekommst, zum allerersten Mal mit Bleichen und Färben (und Dir nicht mal ganz klar ist, dass es sich nicht mehr rauswäscht). Das ist ein grosser Schritt und damit zeigst Du der Welt etwas, auch wenn Du selbst noch nicht genau weißt, was es ist. Willkommen in meiner Welt.

Olivia trägt eine Kappe von Ecko, eine Fleecejacke von Review, eine Regenjacke von Puma, eine Legging von lucy, ein T-shirt vom Flohmarkt und Bergschuhe von Meindl.

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(Danke an Frank für die schönen Bilder)

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