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©Julia Richter

‚Ich kaufe, also bin ich‘ – ist ein Zitat welches man üblicherweise in einem eher konsumkritischen Kontext findet oder als leicht provokative/schuldbewusste Überschrift in Frauenzeitschriften. Es ist immer ironisch gemeint. Weil es der Inbegriff der Oberflächlichkeit in einem Satz ist. Konsum als Ersatz für inneren Frieden. Und doch bin ich der Meinung, die Aussage ist richtig. Gehen wir mal Schritt für Schritt an den Satz heran: ‚ICH BIN‘ – grosse, existenzielle Worte. Wann fange ich eigentlich an nur ‚Ich‘ zu sein, das ‚Wir‘ von Mutter/Vater/Familie abzustreifen? Wann werde ich zu einem Individuum? Wenn ich anfange aufrecht zu gehen und zu erkunden? Wenn die Zeit kommt, wo ich alles selber machen will, ob ich es schon kann oder nicht? Oder wenn ich in den Kindergarten, in die Schule komme? Da bin ich aber immer noch ziemlich abhängig von meinen Eltern: Essen, Kleidung, Spielsachen, Freunde, alles wird am Ende von ihnen entschieden. Sie haben die Verantwortung, sie haben das Auto, sie haben das Geld. Und da kommen wir zum Punkt. Wenn ein Kind anfängt Wünsche zu haben, die nicht mit den Vorstellungen der Eltern, was schön oder notwendig ist, korrespondieren und das Kind dann anfängt sein Taschen-/Geburtstagsgeld zu sparen, um sich von der Mutter’s/ Vater’s Meinung unabhängig zu machen und selbst zu entscheiden, was notwendig und schön ist – das ist der Zeitpunkt, wo das ‚Wir‘ zum ‚Ich‘ wird. Zu entscheiden, was man anziehen möchte und es dann wirklich auch zu kaufen, ohne vorher zu fragen, ist ein Riesenschritt in die Selbstständigkeit. Wenn das erste Geld vom Zeitungsaustragen auf das erste eigene Konto überwiesen wird. Das erste Gehalt des ersten richtigen Jobs, den man gerade angefangen hat. Die Freiheit, niemanden fragen zu müssen, ob man sich etwas kaufen darf. Worum es hier also eigentlich geht, ist nicht hirnloses Ersatzbefriedigungsshoppen mit der Kreditkarte der Eltern/ des Ehepartners – sondern Unabhängigkeit. Und die beginnt manchmal mit einem kleinen Eulengeldbeutel voll gespartem Geld, mit dem man an der Kasse eines Modegeschäfts in Paris für einen Pullover und eine Jeansjacke bezahlt (die Mama für völlig unnötig hält). Sie beginnt damit, dass man lieber mit der besten Freundin zum Shoppen geht, als mit der Mutter, auch wenn diese mehr bezahlen würde. Sie beginnt mit der Sehnsucht danach, ein selbstständiger Mensch mit einem freien Willen zu sein. Und das finde ich ganz und gar nicht oberflächlich, das ist die Grundlage für einen freien, intellektuellen Geist.

Eleni trägt einen Overall von H+M (selbst gekauft und bezahlt), einen Pullover von Camaieu aus Paris (selbst gekauft und bezahlt), Sandalen von Zebra (von den Eltern bezahlt) und zwei Einkaufstaschen voll Souvernirs aus Paris (selbst gekauft und bezahlt und wirklich nicht nötig).

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