Wer hat schon mal eine weisse Hose einen ganzen Tag lang getragen und abends wieder sauber in den Schrank gehängt? Ich nicht. Ich setze mich in irgendetwas, ich kleckere mich voll oder jemand anders tropft mir Kaffee auf’s Hemd. Das passiert nicht, wenn ich etwas Dunkles trage. Vielleicht ist das auch Wahrnehmungssache. Aber in dem Moment, wo ich etwas Weisses überstreife, sind sie mir auf den Fersen, die Flecken. Wie die Schmeissfliegen verfolgen sie mich. Sie verkleiden sich als Blaubeere, Senf oder Schokolade und sobald sie ihr Ziel getroffen haben, reissen sie sich die Maske vom Gesicht und verschmelzen auf ewig mit meinem Kleidungsstück. Sind sie erst mal da, ist es zwecklos sie zu vertuschen, wegzurubbeln oder rauszuwaschen. Das macht es nur noch schlimmer. Es soll Menschen geben, die es fleckenlos durch einen Tag schaffen. Ich gehöre nicht dazu. Warum sich den ganzen Stress eigentlich antun? Warum nicht einfach KEIN Weiss anziehen, sondern etwas gnädigere Farben stattdessen. Wer das Albumcover ‚Abbey Road‚ der Beatles gesehen hat, der weiss warum: John Lennon in diesem weissen Anzug, wie er in weissen Schuhen über den Zebrastreifen wandelt, als wäre es der See Genezareth. So möchte ich sein! Reinheit und Erleuchtung. Ein blütenweisses Hemd, weisse Hose, weisse Slippers – ich möchte die mühelose Makellosigkeit des jungen Alain Delon besitzen! Weiss ist besonders. Es verändert uns. Vielleicht weil wir in weiss das Licht reflektieren und unsere Umgebung aufhellen. Oder vielleicht bewegen wir uns auch besonnener, um weiss zu bleiben. Es kann aber auch sein, das uns der zarte Duft von Cote d’Azur und Sonne genau dieses kleine bisschen sorgloser macht als sonst.

Clara trägt ein eine abgeschnittene Jeansjacke von H+M, eine Hose von Levi’s, einen Pullover von Acne , eine Mütze von Norse Project und Chucks von Converse.

Illustration von Martin Fengel für Lothringer 13.

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©Julia Richter

1 Kommentar

Das unangenehme an Weiß sind weniger die Flecken, sondern die Art wie wir uns in Weiß bewegen, um ja keine Flecken abzubekommen. Wir verhalten uns fast paranoid, checken ständig unsere Fleckfreiheit und sind maximal unentspannt. Dabei lässt sich keine andere Sache so schnell wieder rausbleichen – mit hellgelb ginge das nicht.

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